„Ach, ist nicht so schlimm. Ich konnte das früher auch nie.“
Viele von uns kennen diese Situation nur zu gut:
Es ist Nachmittag, die Hausaufgaben stehen an – und plötzlich sitzen wir gemeinsam mit unserem Kind da und kämpfen uns durch Aufgaben, die sich schwieriger anfühlen, als sie eigentlich „sein sollten“.
Wir wollen helfen.
Wir wollen unterstützen.
Und ja – wir wollen auch irgendwie kompetent wirken.
Doch dann kommt dieser Moment:
Wir verstehen selbst nicht weiter.
Und genau hier beginnt unser innerer Konflikt.
🤯 Wenn unser eigener Frust auf den des Kindes trifft
Neben dem Frust unseres Kindes entsteht auch unser eigener:
- „Das kann doch nicht so schwer sein…“
- „Warum verstehe ich das gerade nicht?“
- „Ich sollte das doch erklären können…“
Und vielleicht kennst du auch diesen Gedanken:
👉 Verlieren wir an Ansehen, wenn wir zugeben, etwas nicht zu wissen?
Aber mal ehrlich:
Wer beschäftigt sich im echten Leben noch mit offenen und geschlossenen Silben?
Und wer ist nicht schon einmal innerlich an einer Grundschul-Textaufgabe verzweifelt?
💬 Der Satz, der alles verändert
In solchen Momenten rutscht uns oft ein Satz heraus, der liebevoll gemeint ist – aber eine enorme Wirkung hat:
„Ach, ist nicht so schlimm. Ich konnte das früher auch nie.“
Was für uns wie eine harmlose, tröstende Bemerkung klingt, kann im Kopf unseres Kindes etwas ganz anderes auslösen:
👉 „Mama konnte das nicht… also kann ich das auch nicht.“
🧠 Wie Glaubenssätze entstehen
Kinder übernehmen Überzeugungen von ihren engsten Bezugspersonen – vor allem von uns Eltern.
Plötzlich wird aus einem einzelnen Satz ein innerer Glaubenssatz:
- „Mathe liegt uns einfach nicht.“
- „Ich bin halt nicht gut darin.“
- „Es bringt nichts, mich anzustrengen.“
Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.
🚫 Wenn Kinder anfangen, an sich zu zweifeln
Selbst wenn dein Kind kurz davor ist, etwas wirklich zu verstehen, kann dieser innere Gedanke alles blockieren:
👉 „Meine Eltern konnten das auch nicht.“
Das Kind nimmt seinen eigenen Fortschritt nicht mehr wahr.
Erfolge werden klein geredet oder als Zufall abgetan.
Und so kann es passieren, dass ein Kind nicht wegen mangelnder Fähigkeit scheitert – sondern wegen seiner Überzeugung.
🔍 Unser Gehirn sucht Beweise
Unser Gehirn arbeitet mit sogenannten Glaubenssätzen.
Zusätzlich haben wir ein Filtersystem – das Retikuläre Aktivierungssystem (RAS):
👉 Es sucht gezielt nach Beweisen für das, woran wir glauben.
Das bedeutet:
- Glaubt dein Kind, es kann etwas nicht → es findet ständig Bestätigungen dafür
- Positive Erfahrungen werden ausgeblendet
- Negative bleiben besonders stark im Gedächtnis
❤️ Was dein Kind stattdessen braucht
Wenn du dein Kind wirklich stärken möchtest:
👉 Vermeide es, deine eigenen Unsicherheiten auf dein Kind zu übertragen
👉 Stattdessen kannst du sagen:
- „Das ist gerade schwierig – wir finden gemeinsam eine Lösung.“
- „Du bist auf dem richtigen Weg.“
- „Fehler gehören dazu.“
- „Ich weiß es gerade auch nicht – lass es uns zusammen herausfinden.“
🌱 Die wichtigste Frage an dich selbst
Bevor du etwas über dich aussprichst, frag dich:
👉 Ist das wirklich wahr – oder nur ein alter Glaubenssatz?
Denn dein Kind hat das Potenzial, ganz eigene Wege zu gehen.
Vielleicht sogar ganz andere – und größere – als du.
Und genau dafür braucht es dich:
Nicht als perfekte Wissensquelle, sondern als stärkende Begleitung.
Wie siehst du das? Hast du bereits so welche Erfahrungen gemacht?
Schreibe es mir gerne in die Kommentare.


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